GALERIE im TEMPELHOF MUSEUM


2015


Lothars Wohnung
Fotografien von Christoph Schieder

Christoph Schieder zeigt mit „Lothars Wohnung“ den Neuköllner Lebensraum seines verstorbenen Schwiegervaters. Er stellt die Frage nach dem, was von einem Leben übrig bleibt und thematisiert zugleich die in Berlin aktuelle Frage der Gentrifizierung.

Link zur Einladung


© Christoph Schieder, Lothars Wohnung, 2014


Lothars Wohnung
– Was bleibt, wenn ein Mensch geht?
Text von Christoph Schieder

Da stand ich nun in dieser leeren Wohnung, in der nichts an seinen alten Bewohner erinnerte. Wider Erwarten wirkte die Wohnung kleiner als zuvor ohne die ganzen Möbel und mit diesen hell getünchten Wänden, nicht größer. Ich sollte eigentlich nur kurz ein paar Fotos des renovierten Zustands machen – für die Handwerker, für die Suche nach einem Mieter. Es wurden mehrere Tage daraus, das Objektiv gerichtet auf die nicht mehr vorhandenen Motive der Vergangenheit. 

Mein Schwiegervater war ein Eremit im belebten Berliner Reuterkiez im Bezirk Neukölln. Dass die Welt außerhalb seiner Bleibe sich so schnell veränderte, schien ihm unheimlich zu sein. Kurz nachdem ich ihn in seiner Wohnung fotografiert hatte, hatte Lothar einen Termin beim Arzt und ich fuhr ihn dorthin. Auf dem Rückweg kamen wir auf die seit mehr als 20 Jahren überwundene Teilung der Stadt zu sprechen und es stellte sich heraus, dass er den Ostteil seiner Stadt in dieser Zeit noch kein einziges Mal besucht hatte. Ich bot ihm eine kleine Spritztour dorthin an, aber er lehnte ab. Nicht aus Bescheidenheit – er wollte einfach nicht.

Die Wohnung im dritten Stock im Hinterhof verließ er nur zum Einkaufen und, solange es seine Beine noch zuließen, um mit dem Fahrrad in seinen Schrebergarten zu fahren. Ansonsten verbrachte er seine Zeit lieber allein zuhause in seiner Wohnung, in der sich in den dreißig Jahren, die er dort wohnte, kaum etwas verändert hatte.

Als ihm das Laufen immer schwerer fiel und ihn ein leichter Herzinfarkt ereilt hatte, ließ Lothar sich nicht von seinen Kindern überzeugen, in ein ebenerdiges Apartment mit Terrasse umzuziehen. Einen alten Baum verpflanzt man nicht.

Rückblickend erstaunt es mich immer mehr, dass dieser zurückgezogen lebende und immer etwas misstrauische Mensch damit einverstanden war, dass ich ihn und seine Wohnung fotografierte. Lothar war kein belesener Mensch, aber er war durchaus reflektiert. Ich denke, es war ihm wohl bewusst, dass er etwas kauzig war. Nachdem ich meine Fotos gemacht hatte verblüffte er mich in seinem etwas genuschelten Berlinerisch mit der Aussage, dass ich ein Suchender sei, aber das, was ich suche, nicht finden würde.

Einer meiner Beweggründe mich mit meiner Umwelt fotografierend auseinanderzusetzen ist wohl, wie für viele Fotografen, das Dargestellte dem Vergessen zu entreißen – selbst wenn das in Anbetracht der Endlichkeit von Allem auch nur eine Illusion ist. In dieser leeren, sanierten Wohnung kam mir ein Berthold Brecht zugeschriebenes Zitat in den Sinn: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“

Christoph Schieder

 




Blicke in die Ausstellung


Eindrücke von der Eröffnung: Stephan Krawczyk, Christoph Schieder


Eindrücke von der Eröffnung: Barbara Esch Marowski, Christoph Schieder

www.christophschieder.com

Galerie im Tempelhof Museum, Alt-Mariendorf 43,12107 Berlin
19.11.2015 - 10.1.2016, Mo - Do 10 – 18 h, Frei 10-14 h, So 11 – 15 Uhr,
am ersten Mittwoch im Monat geschlossen, Eintritt frei



Familienväter – Familienmütter
Fotografien von Verena Jaekel



Verena Jaekel, Köln, 30.Mai 2014

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Patchwork-Familien, junge Väter, Elternschaft in höherem Lebensalter, gleichgeschlechtliche Elternpaare- wie leben Familien heute? Intention der Fotografin Verena Jaekel ist es, die Diversität zeitgenössischer Familienkonstellationen sichtbar zu machen und begleitende kulturelle wie soziale Faktoren visuell zu erkunden. In dieser Ausstellung stellt die Künstlerin ihre neuesten Arbeiten zum Thema Familie vor.

In der aktuellen Portraitserie Familienväter - Familienmütter stellt Verena Jaekel Männer und Frauen vor, die erst später in ihrem Leben Väter oder Mütter geworden sind. Die Künstlerin hat diese Arbeit deutschlandweit fotografiert und stellt sie nun erstmalig aus. Dieser Serie stellt Verena Jaekel Auszüge aus dem Langzeitprojekts Junge Väter (seit 2007 fortlaufend) gegenüber, mit der sie bisher beinahe unsichtbare jungen Väter ins Blickfeld rückt. Das Spektrum der Ausstellung wird durch die Serie Neue Familienportraits - New Family Portraits (2005-2006) erweitert, die auf das Thema gleichgeschlechtliche Elternpaare fokussiert. Zu dieser Arbeit werden Videointerviews gezeigt. Die Interviews führte Lisa Malich.
Mit Familiengeschichten - Family Histories gibt die Künstlerin einen ersten Einblick in ihr neuestes Projekt, an dem sie seit 2012 arbeitet. Hier portraitiert die Künstlerin Familien in ihrem Zuhause in der von ihnen gewählten Konstellation.

Im digitalen Zeitalter ist es eine Besonderheit, dass die Künstlerin mit einer analogen Großformatkamera und ausschließlich bei Tagesslicht arbeitet. Der daraus resultierende langsame Arbeitsprozess schafft eine konzentrierte, intensive Situation zwischen Fotografin und Portraitierten. Zugleich erhält das fotografische Moment eine besondere Aufmerksamkeit.

Verena Jaekel (*1980) realisierte seit ihrem Studienabschluss in Fotodesign am Lette-Verein Berlin zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Ihre Arbeit zu Themen wie Migration, Religion, Gender und Familie wurde durch Stipendien und Förderungen  ausgezeichnet, hier sind beispielsweise der Dokumentarfotografie Preis der Wüstenrot-Stiftung oder Kooperationen mit dem Goethe-Institut zu nennen. Lange Auslandsaufenthalte, u.a. in den USA, Indien, Chile, Schottland und Pakistan  haben die Sicht der Künstlerin auf die Welt geprägt. Die Werke von Verena Jaekel sind in namhaften Sammlungen wie der  Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang in Essen oder der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie in Berlin vertreten.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der mit freundlicher Unterstützung der Wüstenrot-Stiftung realisiert wurde







Blicke in die Ausstellung

Volker Beck spricht, Verena Jaekel (Mitte)

Felix Hoffmann, Barbara Esch Marowski sprechen


Galerie im Tempelhof Museum, Alt-Mariendorf 43,12107 Berlin
13.9. - 1.11.2015, Mo - Do 10 – 16 h, Frei 10-14 h, So 11 – 15 Uhr,
am ersten Mittwoch im Monat geschlossen, Eintritt frei




Fünfte Tempelhofer Kunstausstellung

Link zur Einladung

Zum fünften Mal in Folge zeigen ortsansässige, semi-professionell arbeitende Künstler/innen ihre Arbeiten aus den Disziplinen Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie in einer Gruppenausstellung.

Folgende Künstler/innen präsentieren ihre Arbeiten: Sang-Hoon Ahn, Wilhelm Bongartz, William Francis Brennan, Christian Ehl, Ulla Enghusen, Johanna Grotzke, Veronika Hahn, Hans Handschick, Renate Meßmacher, Christiane Nicolaus, Ursula Maria Pfund, Chrisjo Schröder, Manfred Strohmaier, Günter Umbreit, Wolfgang Wende.




Blicke in die Ausstellung


Eindruck von der Eröffnung | Gruppenbild mit Stadträtin Jutta Kaddatz, Galerieleiterin Barbara Esch Marowski und den ausstellenden Künstler/innenGALERIE im TEMPELHOF MUSEUM
Alt-Mariendorf 43, 12107 Berlin
3. 7.  - 30. 8.2015, Mo – Do 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 14 Uhr, So 11 bis 15 Uhr
am ersten Mittwoch im Monat geschlossen



Wo die verschwundenen Dinge sind
Skulpturale Installationen von Yuni Kim


© Yuni Kim: wie ich bin, wie du bist, 2014, Holz, Fernseher, DVD Player, Videoinstallation

Link zur Einladung

Die junge koreanische Künstlerin Yuni Kim, die im letzten Jahr mit dem Kunstpreis des HAUS am KLEISTPARK ausgezeichnet wurde, hinterfragt in dieser Einzelausstellung mit ihren skulpturalen Installationen die Verlässlichkeit und Präzision unserer Wahrnehmung.

Was bleibt, wenn Vertrautes verschwindet? Was zeigt sich an einer Leerstelle, einem Schatten, was an dem Ort, „wo die verschwundenen Dinge sind“? Wie verändert Verlorenes die Anschauung von Gesehenem, Erlebtem, Erdachten und wie prägt Erfahrung die Wahrnehmung? Wie präzise lässt sich Erinnerung darstellen und gleichzeitig der Blick für die Gegenwart schärfen?

Leichthändig und poetisch angesichts solch umfassender Fragen zeigen sich die von Yuni Kim für die Galerie im Tempelhof Museum ausgewählten Arbeiten. Mit feiner Präzision und spielerischer Stringenz stellen die Werke die Verlässlichkeit des Augenscheins auf die Probe und öffnen ganz reale Räume zwischen Anwesenheit und Abwesenheit. Allseits vertraute Alltagsgegenstände zeigen sich aus räumlicher und zeitlicher Perspektive, öffnen und füllen Leerstellen und irritieren durch ihr hintersinniges Vexierspiel aus Objekt und Schatten, Schein und Widerschein.

Jedes skulpturale Objekt oder Zeichen birgt nicht zuletzt auch Metaphern für den Menschen, seine Beziehungen, Haltungen und nicht zuletzt für die Begrenztheit von Zeit, Verbindungen und Perspektiven, Leben und Tod. Ob geradlinig, schwankend, real oder gedacht, mit eigenem oder fremdem Schatten in Szene gesetzt: jedes Werk evoziert sein individuelles Echo und einen so räumlichen wie sinnlichen Widerhall.

„Ich versuche stets, flüchtige Momente festzuhalten und zu konservieren, bin mir jedoch gleichzeitig bewusst, dass dies nicht möglich ist“. So formuliert Yuni Kim die Fragestellung, die sich mit jeglicher Vorstellung und Visualisierung von Erinnerung und Erlebtem verbindet und in ihrem Werk ganz augenscheinlich löst.

Blicke in die Ausstellung, rechts Soundinstallation

Blicke in die Ausstellung, rechts Videoinstallation

Yuni Kim, Dr. Birgit Möckel, Barbara Esch Marowski, rechts Installation im Außenraum

www.yunikim.net

Galerie im Tempelhof Museum, Alt-Mariendorf 43, 12107 Berlin
24.4. - 21.6.2015, Mo - Do 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 14 Uhr, So 11 bis 15 Uhr


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frei sehen
Fotografie

Erasmus Schröter, Januar 2013

Link zur Einladung

Die Ausstellung zeigt die  Fotografien aus der 6. Foto-Sonderausgabe Kassette entwerter/oder mit 41 Fotografien von 21 Fotograf/innen mit Texten der Herausgeber sowie von Piotr Olszówka und Jörg Sperling.

Es stellen aus:
Thomas Anschütz, Claus Bach, Ingrid Behm, Nora Bibel, Micha Brendel, Kurt Buchwald, Kai-Olaf Hesse, Andre Kirchner, Peter Oehlmann, Marek Pozniak, Joachim Richau, Hans-Christian Schink, Erasmus Schröter, Sabine Schründer, Maria Sewcz, Frank Silberbach, Karen Stuke, Peter Thieme, Natalie Toczek, Viola Vassilieff, Yunyi Liu

„Die Werke der eingeladenen, für das Projekt aktivierten Fotografen, spannen einen Bilderbogen von Alltagsbeobachtung, über poetische Verklärung und experimentelles Ausschreiten bis zu Inszenierung – und zurück zu dokumentarischer Strenge.“
aus: Jörg Sperling „Licht-Einfälle“, entwerter/oder, 6. Foto-Sonderausgabe, Berlin 2014

Blicke in die Ausstellung






Eindruck von der Eröffnung



v.l.: Peter Thieme, Viola Vassilieff, Maria Sewcz, Peter Oehlmann, Nora Bibel, Micha Brendel, Barbara Esch Marowski, Sabine Schründer, Kurt Buchwald, Uwe Warnke, Yunyi Liu (vo), André Kirchner, Frank Silberbach, Erasmus Schröter, Claus Bach
Galerie im Tempelhof Museum, Alt-Mariendorf 43,12107 Berlin
30.1. - 29.3.2015, Mo & Mi 10 – 16 h, Di & Do 10 – 18 h, Frei 10 -14 h,
So 11 – 15 Uhr, am ersten Mittwoch im Monat geschlossen, Eintritt frei


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